Ohne Titel
Drawings have accompanied Bruno Gironcoli’s work as an architect
since the early 1960s. He has created a comprehensive
oeuvre of graphic art extending far beyond design drawings.
The artist refers to his works on paper as “area[s] of thought
spread out in space.” [1] He adds his formulaic objects and
figures—detached from real proportions, physical constraints,
and bodily limits—to fantastical, surreal images and scenes.
A link to sculpture is created by his use of gold, silver, and copper
metallic paints. The paper picture support reacts to the
paint media; the dampness of the paint causes it to buckle, enhancing
the metallic reflexes.
Gironcoli composes a stagelike scene on graph paper that
provides the structure. The cutout shape of a man in a turquoise-
blue suit is a recurring motif in his drawings. This man
even has a name—Murphy—after the protagonist in Samuel
Beckett’s eponymous novel. Personal and societal constraints
and the relationship between nature and technology are
themes that occupied Gironcoli throughout his life. Thus he anticipated,
in an almost visionary fashion, key problems of the
twenty-first century. (Barbara Herzog)
[1] Karola Kraus, Manuela Ammerer, “Vorwort,” in Bruno Gironcoli: In der Arbeit schüchtern bleiben. Arbeiten auf Papier,ed. Manuela Ammer, exh. cat. (Vienna: mumok—Museum für moderne Kunst; Cologne: Verlag der Buchhandlung König, 2018), 4.
Zeichnungen begleiten Bruno Gironcolis bildhauerisches
Schaffen seit den frühen 1960er-Jahren; er schafft ein umfangreiches
grafisches Werk, das weit über Entwurfszeichnungen
hinausgeht. Der Künstler selbst bezeichnet seine Papierarbeiten
als „im Raum ausgebreitete Fläche[n] von Überlegungen“. [1]
Losgelöst von realen Größenverhältnissen, physikalischen
Zwängen und körperlichen Grenzen fügt er seine schablonenhaften
Gegenstände und Figuren zu fantastisch-surrealen
Gebilden und Szenen. Eine Verbindung zur Skulptur besteht
in der Verwendung der Metallfarben Gold, Silber oder Kupfer.
Der papierene Bildträger reagiert auf die verwendeten Malmittel;
er wellt sich aufgrund der Feuchtigkeit der aufgetragenen
Farbe und verstärkt somit metallische Reflexe.
Auf kariertem, Struktur gebenden Linienspiegel komponiert
Gironcoli eine bühnenhafte Szenerie. Der angeschnittene
Mann in türkisblauem Anzug ist ein wiederkehrendes Motiv
in seinen Zeichnungen. Er hat sogar einen Namen – Murphy –
nach dem Protagonisten in Samuel Becketts gleichnamigem
Roman. Individuelle und gesellschaftliche Zwänge sowie das
Verhältnis von Natur und Technik sind Themen, mit denen
sich Gironcoli zeit seines Lebens beschäftigt. Er nimmt damit
fast visionär wesentliche Problemstellungen des 21. Jahrhunderts
vorweg. (Barbara Herzog)
[1] Karola Kraus, Manuela Ammerer, „Vorwort“, in: Bruno Gironcoli. In der Arbeit schüchtern bleiben. Arbeiten auf Papier, Hg. Manuela Ammer, Ausst.-Kat., Wien: mumok – Museum für moderne Kunst; Köln: König, 2018, S. 4.
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