Aktion mit Diana
Karton: 60 cm × 50 cm
Günter Brus zählt neben Hermann Nitsch, Otto Muehl und Rudolf
Schwarzkogler zu den vier Hauptprotagonisten des Wiener
Aktionismus, die mit radikalen Aktionen im konservativen
Wien
der 1960er-Jahre für Skandale sorgten. Umso mehr überrascht
seine überaus berührende und intime Performance „Aktion mit
Diana“, die Kurt Kren mit der Kamera begleitete. Brus agierte
weiß bemalt und umgeben von symbolisch
aufgeladenen Requisiten
neben seiner erst wenige Monate alten Tochter:
„Ich war der Embryo in Weiß und Diana der neue Mensch.“ [1] Die
Fotografien dokumentieren die vorsichtige Annäherung des jungen
Vaters an sein Kind, der sich dabei nicht scheut, seine
Unsicherheit nach außen zu tragen.
Ein wichtiges Vorbild für Günter Brus’ intensive Beschäftigung
mit dem eigenen Körper und seiner schonungslosen
Analyse des eigenen Ichs ist Egon Schiele. Dessen expressive
Körperdarstellungen stehen im krassen Kontrast zum Schönheitskult
der Wiener Secession an der Schwelle vom 19. zum
20. Jahrhundert. Sie ermutigen den jungen Künstler, die
Gattungsgrenzen der Malerei zu überschreiben. Brus lässt Papier
und Leinwand hinter sich und vollzieht die zeichnerischen
Leibesverrenkungen seines Lehrmeisters am eigenen Körper.
(Barbara Herzog)
[1] Günter Brus zit. nach Lisa Moravec, „Günter Brus wird 85. Ein Gespräch zwischen jetzt und damals“, in: Parnass Kunstmagazin Online, 19. September 2023, https://www.parnass.at / news / guenter-bruswird-85 (26.03.2024).
In addition to Hermann Nitsch, Otto Muehl, and Rudolf
Schwarzkogler, Günter Brus is known as one of the four main
protagonists of Viennese Actionism, a movement whose
radical actions scandalized the conservative Vienna of the
1960s. Most shocking of all, perhaps, is Brus’s intimate,
touching performance “Aktion mit Diana” (Action with Diana),
photographed by Kurt Kren. Brus, doused in white paint
and surrounded by symbolically charged props, performs next
to his daughter, then only a few months old: “I was the embryo
in white and Diana, the new human being.” [1] The photographs
document the young father as he cautiously approaches
his child, not shying away from displaying his uncertainty to the
outside world.
An important model for Brus’s intensive engagement with
his own body and his relentless analysis of his own self is
Egon Schiele, whose expressive representations of the body
stand in stark contrast to the Vienna Secession’s cult of
beauty at the turn of the nineteenth and twentieth centuries.
Schiele’s artworks encourage the young artist to cross the
boundaries between art forms. Brus leaves paper and canvas
behind and performs the physical contortions in his teacher’s
drawings with his own body. (Barbara Herzog)
[1] Günter Brus as quoted in Lisa Moravec, “Günter Brus wird 85: Ein Gespräch zwischen jetzt und damals,” in Parnass Kunstmagazin Online, 19 September 2023, https://www.parnass.at/news/guenterbrus-wird-85 (accessed 26 March 2024).
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