Christus und die Sünderinnen
Künstler:in
Max Klinger
(1857 - 1920)
Date1883–1884; publ. 1898
MediumRadierung
Display DimensionsBlatt: 44,2 x 59,7 cm (442 x 597 mm)
Platte: 25,6 x 38,9 cm (256 x 389 mm)
Platte: 25,6 x 38,9 cm (256 x 389 mm)
ClassificationsDruckgrafik
Credit LineMuseum der Moderne Salzburg
Object numberBA 8213_1-15_13
Provenance1988 Ankauf
Collections
Max Klinger played a key part in the renewal of fine art printmaking in Germany around 1900. His graphic cycles made him famous in his lifetime, and Edvard Munch was among the artists he inspired. With William Hogarth he shared both a penchant for trivial themes and the preference for an unvarnished realism laced with symbolism, which can be difficult to tease apart and decode.
Klinger’s representations of extramarital love affairs, prostitution, rape, pregnancy, suicide, and infanticide were novelties that shocked audiences in Wilhelmine Germany. Released in 1884, his cycle “Ein Leben”(A Life) laid out the possible consequences of adulterous sexual relations for the woman. When the prints were first displayed at the Berlin Academy, they sparked outrage and sharp condemnation. Critics deplored the “frivolities, repugnant filth, and odious vulgarity” of the depictions. Female audiences took a more positive view, discerning in Klinger a champion of their interests.
The fifteen prints do not form a linear sequence telling a single story; realistic scenes alternate with more imaginative visions. “Vorspiel I” establishes the connection to the fall of man in the Garden of Eden, while “Vorspiel II” contrasts this biblical narrative with a Darwinist ‘primeval’ variant. The only image executed in color marks the plot’s turning point—short-lived happiness leads to prostitution, expulsion from society, and death. Klinger concludes by testing the Christian notion that the sinner will find redemption in the afterlife and ends his cycle on a nihilistic note: in print no. 15, the protagonist sinks back into nothingness. [Barbara Herzog, 2022]
Klinger’s representations of extramarital love affairs, prostitution, rape, pregnancy, suicide, and infanticide were novelties that shocked audiences in Wilhelmine Germany. Released in 1884, his cycle “Ein Leben”(A Life) laid out the possible consequences of adulterous sexual relations for the woman. When the prints were first displayed at the Berlin Academy, they sparked outrage and sharp condemnation. Critics deplored the “frivolities, repugnant filth, and odious vulgarity” of the depictions. Female audiences took a more positive view, discerning in Klinger a champion of their interests.
The fifteen prints do not form a linear sequence telling a single story; realistic scenes alternate with more imaginative visions. “Vorspiel I” establishes the connection to the fall of man in the Garden of Eden, while “Vorspiel II” contrasts this biblical narrative with a Darwinist ‘primeval’ variant. The only image executed in color marks the plot’s turning point—short-lived happiness leads to prostitution, expulsion from society, and death. Klinger concludes by testing the Christian notion that the sinner will find redemption in the afterlife and ends his cycle on a nihilistic note: in print no. 15, the protagonist sinks back into nothingness. [Barbara Herzog, 2022]
Max Klinger nimmt eine Schlüsselstellung in der Erneuerung der deutschen Grafikkunst um 1900 ein. Bereits zu Lebzeiten begründeten die Grafikzyklen seinen Ruhm, und er inspirierte u. a. Edvard Munch. Mit William Hogarth verbinden ihn sowohl das Aufgreifen trivialer Themen als auch das – manchmal schwer zu entschlüsselnde – Nebeneinander von Verismus und Symbolik.
Für das wilhelminische Deutschland schockierend neu waren Klingers Darstellungen von unehelichen Liebesbeziehungen, Prostitution, Vergewaltigung, Schwangerschaft, Selbsttötung und Kindsmord. Sein 1884 erschienener Zyklus „Ein Leben“ befasst sich mit den Folgen, die ein außereheliches Verhältnis für die Frau haben konnte. Die Grafikfolge stieß auf entrüstete Ablehnung, als sie erstmals in der Berliner Akademie gezeigt wurde. Die Kunstkritik beklagte sich über die „Frivolitäten, den widerlichen Schmutz und [die] abstoßende Gemeinheit“ der Darstellung. Positiv hingegen fiel das Urteil der weiblichen Öffentlichkeit aus, die in Klinger einen Verfechter ihrer Interessen sah.
Die 15 Blätter zeigen kein zeitlich lineares Geschehen, realistische und phantastisch anmutende Szenen wechseln sich ab. Das „Vorspiel I“ stellt eine Verbindung mit dem Sündenfall im Paradies her, während das „Vorspiel II“ der biblischen Geschichte eine ‚urzeitliche’ Variante darwinistischer Prägung gegenüberstellt. Die einzige farbige Darstellung markiert den Wendepunkt der Geschichte – auf das kurze Glück folgen Prostitution, Ausschluss aus der Gesellschaft und Tod. Zum Schluss prüft Klinger die christliche Vorstellung von einer Erlösung der Sünderin im Jenseits und lässt seinen Zyklus nihilistisch ausklingen: Die Frau fällt auf Blatt 15 ins Nichts zurück. [Barbara Herzog, 2022]
Für das wilhelminische Deutschland schockierend neu waren Klingers Darstellungen von unehelichen Liebesbeziehungen, Prostitution, Vergewaltigung, Schwangerschaft, Selbsttötung und Kindsmord. Sein 1884 erschienener Zyklus „Ein Leben“ befasst sich mit den Folgen, die ein außereheliches Verhältnis für die Frau haben konnte. Die Grafikfolge stieß auf entrüstete Ablehnung, als sie erstmals in der Berliner Akademie gezeigt wurde. Die Kunstkritik beklagte sich über die „Frivolitäten, den widerlichen Schmutz und [die] abstoßende Gemeinheit“ der Darstellung. Positiv hingegen fiel das Urteil der weiblichen Öffentlichkeit aus, die in Klinger einen Verfechter ihrer Interessen sah.
Die 15 Blätter zeigen kein zeitlich lineares Geschehen, realistische und phantastisch anmutende Szenen wechseln sich ab. Das „Vorspiel I“ stellt eine Verbindung mit dem Sündenfall im Paradies her, während das „Vorspiel II“ der biblischen Geschichte eine ‚urzeitliche’ Variante darwinistischer Prägung gegenüberstellt. Die einzige farbige Darstellung markiert den Wendepunkt der Geschichte – auf das kurze Glück folgen Prostitution, Ausschluss aus der Gesellschaft und Tod. Zum Schluss prüft Klinger die christliche Vorstellung von einer Erlösung der Sünderin im Jenseits und lässt seinen Zyklus nihilistisch ausklingen: Die Frau fällt auf Blatt 15 ins Nichts zurück. [Barbara Herzog, 2022]
Bibliography


