Abendliche Demo in Dresden III
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Georg Eisler wuchs im Exil in Großbritannien auf. Dort erfuhr er seine künstlerische Prägung, nicht zuletzt durch Privatunterricht bei Oskar Kokoschka und er erlebte das deutsche Bombardement auf Manchester am 23. Dezember 1940, das von den Engländer:innen ironisch als „Christmas Blitz“ bezeichnet wird, mit. 1946 kehrte der angehende Künstler in seine Geburtsstadt Wien zurück. Fünfundzwanzig Jahre später überredete ihn sein Freund, der britische Literaturwissenschaftler John Willett, zu einem Besuch in Manchester. „Diese Begegnungen mit einem sehr wichtigen Teil meiner Jugend lösten den monatelangen, fast ausschließlich diesem Thema gewidmeten Arbeitsvorgang aus“, berichtet Eisler. [1] Er malte und zeichnete Manchester aus der Erinnerung sowie nach vor Ort angefertigten Zeichnungen und Fotografien. Im Prozess des Malens vermischen sich seine Erinnerungen an die Kindheit und Jugend mit seinen späteren Beobachtungen. Das Gemälde „All Saints, Manchester“ zeigt den Künstler sowohl als Kind als auch als Jugendlichen und als Erwachsenen vor dem noch heute bestehenden markanten Kinogebäude im Stadtteil All Saints in der Nähe seiner damaligen Ausbildungsstätte, der Manchester School of Art.
Entgegen dem Vorherrschen der Abstraktion in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entschied sich Georg Eisler, der gegenständlichen Malerei treu zu bleiben. Im Zentrum seines Interesses steht der Mensch als individuelle Persönlichkeit oder als Teil einer Masse. Seit 1968, seit dem Jahr, in dem, wie Eisler es formulierte, „die Tagespolitik auf die Straße ging“, ist die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen Themen eine Konstante in seinem Schaffen. Damals protestierten Tausende unter anderem gegen den Vietnamkrieg, die Verdrängung des Nationalsozialismus und die rigide Sexualmoral. Seine Gemälde und Zeichnungen zeigen Demonstrationen und gewalttätige Konfrontationen zwischen Polizei und Protestierenden, sie legen Zeugnis von der Übermacht des Staatsapparates, aber auch von dem erwachenden politischen Bewusstsein der Menschen ab. Als im Herbst 1989 tausende DDR-Bürger:innen für eine Veränderung der politischen Verhältnisse demonstrierten, reiste Eisler nach Dresden, um als Augenzeuge diese Massenkundgebungen mit seinem Zeichenstift festzuhalten. (Barbara Herzog)
[1] Georg Eisler, „Einleitung“, in: Georg Eisler. Landscape of Exile. Landschaft des Exils, Hg. Michael Lewin, Wien: Europa Verlag, 1987, S. 9.
Georg Eisler grew up in exile in Great Britain. It was here that he discovered his artistic voice, due in no small part to private lessons from Oskar Kokoschka, and he experienced the German bombing of Manchester on 23 December 1940, ironically referred to by the British as the “Christmas Blitz.” In 1946, the aspiring artist returned to his birth city Vienna. Twenty-five years later, his friend, the British literary scholar John Willett, persuaded him to visit Manchester: “These encounters with a significant part of my youth initiated a months-long process, dedicated almost exclusively to this theme,” Eisler reported. [1] He painted and drew Manchester from memory and also made drawings and photographs in situ. In the process of painting, his memories of his childhood and youth intermingle with his later observations. The painting “All Saints, Manchester” shows the artist as a child, as an adolescent, and as an adult in front of the striking cinema building in the All Saints area of Manchester, not far from his former college, the Manchester School of Art. The building is still standing today.
In contrast to the reigning abstraction of the second half of the twentieth century, Georg Eisler decided to remain true to figurative painting. At the center of his interest was the human being as an individual and as part of a mass. Since 1968, the year when, as Eisler described it, “everyday politics took to the streets,” engagement with contemporary political issues has remained a constant in his work. At that time, thousands were protesting against the Vietnam War, the failure to confront the Nazi past, rigid sexual morality, and other social issues. His paintings and drawings show demonstrations and violent confrontations between the police and protesters, bearing witness to the superior might of the state apparatus and also the burgeoning political consciousness of the people. When, in autumn 1989, thousands of GDR citizens demonstrated for a change in political conditions, Eisler traveled to Dresden to capture the mass rallies with his pencil as an eyewitness. (Barbara Herzog)
[1] Georg Eisler, “Einleitung,” in Georg Eisler: Landscape of Exile. Landschaft des Exils, ed. Michael Lewin (Vienna: Europa Verlag, 1987), 9.


